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Das Blog der Hamburger Volkshochschule

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Wasser – ein Menschenrecht

Fehlender Zugang zu sauberem Trinkwasser ist eine „stille“ Menschenrechtsverletzung, die selten Schlagzeilen macht. Dabei sterben UN-Angaben zufolge weltweit jährlich rund 3,4 Millionen Menschen aufgrund von verunreinigtem Wasser.

Vor sechseinhalb Jahren erkannte die UN-Generalversammlung mit der Resolution 64/292 das Recht  auf Wasser als Menschenrecht an. 2015 wurde außerdem eine weitere Resolution angenommen, in der es neben dem Recht auf Wasser auch erstmals um das Recht auf Sanitärversorgung ging.

UN-Resolution 64/292

Diese Rechte sehen vor, dass jeder Mensch in ausreichender Menge Zugang zu gesundem, annehmbarem, physisch erreichbarem und bezahlbarem Wasser haben soll. Die sanitäre Versorgung muss sicher, hygienisch, sozial und kulturell annehmbar und bezahlbar sein und Privatsphäre und Würde schützen.

Abgeleitet wird das Menschenrecht auf Wasser von Artikel 11, Abs.1 des Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Zudem sind andere Rechte ohne das Recht auf Wasser gar nicht vorstellbar bzw. schließen das Recht auf Wasser natürlicherweise mit ein: das Recht auf Leben, das Recht auf Nahrung und Schutz vor Hunger, nicht zuletzt das Recht auf Gesundheit und körperliche Unversehrtheit und eine angemessene medizinische Versorgung.

CC0 Public Domain

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Ende 2013, bei Ablauf der sogenannten Millenniums-Entwicklungsziele, wurde das Thema Trinkwasser zwar in Relation zu anderen Themen als „Erfolgsgeschichte“ behandelt (im Vergleich zu 1990 hatten zusätzliche 2,6 Milliarden Menschen Zugang zu sauberem Wasser erhalten). Die guten Durchschnittswerte verdecken jedoch große regionale und soziale Unterschiede. Außerdem halten die Fortschritte nicht mit dem Bevölkerungswachstum Schritt: In absoluten Zahlen ist die Zahl der Menschen in Afrika, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, sogar gestiegen. Und das Millenniums-Entwicklungsziel, den Anteil der Menschen ohne Sanitärversorgung zu halbieren, wurde verfehlt.

 

Staatliche und nichtstaatliche Akteure

Das Recht auf sauberes Trinkwasser setzt Ressourcen voraus, die nicht jedem Staat zur Verfügung stehen. In erster Linie geht es darum, Bedingungen und Regelwerke für eine Wasser- und Abwasserinfrastruktur zu schaffen, um die Voraussetzungen für den Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen. Zur Umsetzung bedarf es nicht nur finanzieller Mittel, sondern auch technischen Wissens und einer gegenseitigen Hilfe und Unterstützung aller Staaten.

Dabei zahlt sich jede Investition auf diesem Gebiet vielfach aus: Mit jedem in die Wasserversorgung investierten Dollar kann ein volkswirtschaftlicher Schaden von 8 Dollar vermieden werden. Nicht nur, weil sauberes Wasser die Gesundheit schützt, sondern auch, weil der Zugang zu Wasser insbesondere für Frauen und Kinder die Chance auf Bildung und eine Verbesserung der Ernährungs- und Einkommenssituation bedeutet – auch durch mehr Zeit für Ausbildung, Arbeit und Kinderbetreuung. Durch den Zeitgewinn, den sanitäre Einrichtungen bewirken, gewinnt beispielsweise eine sechsköpfige Familie wöchentlich 21 Stunden Zeit.

Staaten sollen das Menschenrecht auf Wasser erfüllen, achten und schützen. Darüber hinaus haben sie dieses Menschenrecht auch in anderen Ländern zu achten und diese nicht an ihrer Pflicht zu hindern. Ein Staat verletzt das Menschenrecht auf Wasser, wenn er vorhandene Ressourcen nicht einsetzt, um eine Grundversorgung mit Wasser zu gewährleisten, oder wenn er Unterstützung und Bemühungen von außen, durch Individuen, Gruppen, Unternehmen oder andere nichtstaatliche Akteure, verbietet.

Andererseits haben nichtstaatliche Akteure das Menschenrecht auf Wasser gleichermaßen zu achten und dazu beizutragen, es im Rahmen ihrer Möglichkeit umzusetzen.

Wasserinfrastrukturen müssen ein nachhaltiges und faires Tarifsystem bieten. Ob es sich um private oder öffentliche Eigentumsformen handelt: Die Infrastrukturen müssen sich daran messen lassen, ob sie einen sicheren, fairen und diskriminierungsfreien Zugang zur Wasserversorgung ermöglichen.

 

CC0 Public Domain

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Fortschreitende bi- und multilaterale Handelsliberalisierung engt Handlungsspielräume staatlicher Akteure ein, indem sich Regierungen durch Kreditverträge, Handelsabkommen oder private Investitionsverträge binden.

 

Aktuelle Situation

Zurzeit fehlt 663 Millionen Menschen weltweit der Zugang zu sauberem Trinkwasser und rund
2,4 Milliarden Menschen haben keine angemessene Sanitärversorgung. Künftig wird sich das Problem infolge des Klimawandels weiter verschärfen. Der Temperaturanstieg wird die Wasserkreisläufe beschleunigen, die Schwankungen bei Niederschlägen und Abflüssen werden zunehmen und die Grundwasserneubildung wird sich regional vermindern. Dies wird sowohl die Nutzungskonflikte zwischen Staaten als auch innerstaatliche soziale Problemlagen und Verteilungskonflikte verstärken. Gerade auch grenzüberschreitendes Wassermanagement ist ein zentrales politisches Thema. So beziehen Länder wie Bangladesch, Ägypten und Niger über
75 Prozent ihres Wassers aus dem Ausland.

Die Ärmsten der Armen bezahlen dabei häufig mehr für ihr Wasser als die wohlhabenden Schichten, die an die – häufig staatlich subventionierte – öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind.

Mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung trat am 1. Januar 2016 mit einer Laufzeit von
15 Jahren (bis 2030) ein globaler Aktionsplan der Vereinten Nationen in Kraft, der einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen soll. Als sechstes Ziel wurde aufgenommen: „Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten“:

grafik-global-goals

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung/BMZ

The Global Goals for Sustainable Development

 

Täglicher Wasserverbrauch

Eine Mindestmenge von 20 Litern benötigt jeder Mensch für Ernährung, persönliche Hygiene und Haushalt. In vielen Lebenssituationen können aber auch 100 Liter pro Person notwendig sein, um den Bedarf angemessen zu decken. Laut Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft zur Entwicklung des Wasserverbrauchs liegt der durchschnittliche Wasserverbrauch in Deutschland bei  121 Litern täglich.

Betrachtet man aber den tatsächlichen Aufwand an Wasser, der erforderlich ist, um all die Waren zu produzieren, die wir täglich brauchen, den sogenannten „virtuellen Wasserverbrauch“, so liegt dieser in Deutschland bei etwa 4.000 Litern pro Kopf und Tag. Für jede Tasse Kaffee 140 Liter, für jeden Liter Milch 1.000 Liter, für jedes Kilo Steak 16.000 Liter. Ein Großteil unseres Wasserverbrauchs ist uns also kaum bewusst. Mit unreflektiertem Konsum tragen wir zum Fortbestand einer Ungleichheit bei, die für Millionen Menschen tödliche Folgen hat.

Für den Einzelnen kann eine stärkere Sensibilisierung für den eigenen, tatsächlichen täglichen Wasserverbrauch zumindest ein erster Schritt sein – hin zu einem ressourcenbewussten Konsumverhalten und einem Eintreten für das universelle Recht auf sauberes Trinkwasser.  (sar)

„Virtuelles Wasser“ (Projekt der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.)

Info zum virtuellen Wassergehalt ausgewählter Produkte

Water Footprint Network

Initiativen/Projekte für sauberes Trinkwasser (Auswahl)

Viva con Agua de Sankt Pauli e.V.

Neven Subotic-Stiftung

UNICEF-Kampagne „Wasser wirkt“

 

Lesen Sie auch:

Tobias Landwehr „Der Nahe Osten kämpft ums Wasser“, Zeit-Artikel vom 8.12.16

Bernd Ladwig: Zur Begründung eines Menschenrechts auf Wasser (Bundeszentrale für Politische Bildung, 2009)

 

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Hier finden Sie Infos über uns und die einzelnen Autoren.
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